Kategorien
Management und Führung

senior gleich alt?

Neulich hat „er“ über die Bedeutung von Seniorität nachgedacht.  Dabei entdeckte „er“ zwei Seiten in sich, eine sachliche und eine rebellische.  Innerlich kam es zu einer Diskussion und Spaltung. Dennoch wurden sich am Ende beide Seiten überraschend einig und „er“ ist mit sich im wieder klaren.

Seniorität hat verschiedene Bedeutungen, je nach Bereich, in welchem der Begriff verwendet wird. Per Definition (Quelle Wikipedia) bedeutet Seniorität „im allgemeinen Sprachgebrauch das Prinzip des Vorrangs von Personen mit höherem Lebensalter oder – im übertragenen Sinne und nicht ganz korrekt – von Personen, die länger zu einer bestimmten Gruppe gehören. Letzteres wird treffender als Prinzip der Anciennität bezeichnet.

Im Arbeitsrecht bezeichnet Seniorität die Bevorzugung aufgrund des Lebensalters bei Beförderungen oder bei der Entlohnung. Sie steht im Gegensatz zur Anciennität, die auf dem Dienstalter basiert. Ein Beispiel für das Senioritätsprinzip waren die „Lebensaltersstufen“ im BAT, dem Bundes-Angestelltentarifvertrag in Deutschland.

Im Geschäftsbereich wird der Begriff oft auch im Sinne von Erfahrung und Reife verwendet.

Genau dies fragte sich die sachliche Seite des „er“. Ist Seniorität ausschliesslich auf das Alter oder allenfalls auf das Dienstalter im Sinne der Zugehörigkeitsdauer zu einer Gruppe anzuwenden? Oder zeichnet sich eine seniore Person nicht durch andere charakterisierende Eigenschaften aus?

Per Definition lieber »er» heisst es eben «…Prinzip des Vorrangs von Personen mit höherem Lebensalter…“ und dabei ist keine Rede von Persönlichkeitsmerkmalen. Die andere Auslegung spricht von „…Bevorzugung aufgrund von Zugehörigkeitsdauer…“ , beide weisen einzig und alleine auf das biologische Alter, resp. das Dienstalter hin;  Fazit die rebellische des „er“.

Sachlicher „er“: „Sind Eigenschaften und Werte wie Persönlichkeit, Stil, gute Manieren, Empathie, ja gar emotionale Intelligenz nicht sogar zwingende Voraussetzungen für Seniorität?“ Gehören nicht auch Wertschätzung, ein respektvoller Umgang mit seinen Mitmenschen wie auch Weitsicht dazu?“

Rebellischer „er“: Dies sind zum Teil Charaktereigenschaften und zum Teil Merkmale welche auf eine gute Erziehung hindeuten. Sie treffen auf Menschen jeden Alters zu, auch auf Kinder. Wenn man auf die Naturvölker zurückblickt, konnten gewisse Positionen nur aufgrund vom Alter bekleidet werden; nicht selten hört man heute noch die Ansprache «der Älteste im Stamm». Die persönlichen Eigenschaften spielten dabei keine Rolle, was sich mal positiv mal negativ ausgewirkt hat.

Auch in der westlichen Welt gab und gibt es immer noch Beförderungen des Alters wegen und Äusserungen wie «Sie sind noch zu jung dafür» kommen öfters vor. Glücklicherweise ist hier ein Wandel zu spüren und was mehr und mehr zählt, sind die Fähigkeiten, Fertigkeiten, die soziale Kompetenz und die Persönlichkeit.

Das Wort «Seniorität», lieber sachlicher „er“ ist in Zeiten von Jugendwahn – auch wenn ein solcher nicht immer positiv zu werten ist – nicht mehr zeitgemäss und wirkt altmodisch. Wir wollen doch alle, jung, dynamisch und erfolgreich sein und wirken, wer nennt sich da noch senior???

Sachlicher „er“: Zieht man diese Sichtweise in Betracht, lieber „er“ Rebell, so sind also das Alter einer Person, das Dienstalter und die Seniorität nicht zwingend miteinander zu verbinden. Vermeintlich seniore Personen mit fehlenden adäquaten Persönlichkeits-merkmalen können demnach der eigentlichen Seniorität nicht genügen.

Das ist korrekt so, geschätzter sachlicher „er“ – das Wort Seniorität im ursprünglichen Sinne findet keine Anwendung mehr…

„Welchen Wert hat denn Seniorität?“, fragt sich der sachliche „er“.

Werden alle adäquaten Persönlichkeitsmerkmale bei der Festlegung der finanziellen Entschädigung berücksichtigt, so sollte das eigentliche Alter, resp. das Dienstalter nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Andere Eigenschaften werden wichtiger bei Beförderungen sowie in der gewichteten Zusammensetzung der Salär Attribute.

Rebellischer „er“: Meine Worte – nicht das biologische Alter soll bei einer Beförderung oder Gehaltanpassung entscheidend sein. Bildung, nachgewiesene Erfolge, hohe persönliche und soziale Kompetenz, Engagement und Motivation etwas zu bewegen sind die DIE Attribute!

Geht man davon aus, wie der sachliche „er“ meint, dass Eigenschaften wie Persönlichkeit, Stil, gute Manieren, Empathie wie auch Wertschätzung, ein respektvoller Umgang mit seinen Mitmenschen sowie Weitsicht Unternehmen und Gesellschaften weiterbringen, so muss die gemäss dem sachlichen „er“ neue Definition von Seniorität in der Karriereentwicklung wie auch im monetären Wert deutlich höher gewichtet sein, wie das numerische Alter oder die Dauer der Betriebszugehörigkeit.

Es benötigt keine neue Definition von Seniorität, ein neuer, zeitgemässer Begriff muss her! (rebellischer „er“).

Betrachtet man Organe wie Verwaltungsräte oder Stiftungsräte, so plädiert der sachliche „er“ darauf, dass diese mit der richtigen Seniorität besetzt sind. Mangelnde Seniorität und demnach fehlende Weitsicht, Empathie oder emotionale Intelligenz sind fehl am Platz und hindern Unternehmen in deren Entwicklung.

Zum Schluss stellt sich die Frage, ob Seniorität im Sinne des sachlichen „er“ im Widerspruch zu jugendlicher Dynamik steht. Geht man davon aus, dass die Seniorität gemäss „er“ nicht nur auf dem Alter einer Person oder deren Dienstalter besteht, so muss diese Frage deutlich verneint werden.  Demnach können jüngere Personen durchaus eine Seniorität ausstrahlen, was nicht heisst, dass die Eigenschaften, die der sachliche „er“ definiert hat, mit der Zeit weiterreifen, resp. sich entwickeln können.

Rebellischer „er“: Aus meiner Sicht ist die Seniorität ein längst überholter Begriff. Letztendlich kommt es weniger auf den Begriff als auf die richtige Auslegung und die Rückbesinnung auf das, was tatsächlich zählt an. Bescheidenheit und Demut, Dankbarkeit für das Erreichte und Zufriedenheit sind die Wegweiser für unsere Zukunft.

Die Spitze muss es authentisch vorleben; der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopf.

Danke rebellischer „er“, danke sachlicher „er“.